Entstehung der Skiloipe Martinskapelle

40 Jahre Skiloipe Martinskapelle

"Das waren "Besondere", die so was taten!" Gemeint waren die Wintersportler über die der Furtwanger Führer um 1912 berichtete. "Warum auch hinausgehen, ohne ein hartes Muß? Um den Geist zu ergötzen, hatte man den Kalender, um das Herz zu erfreuen, den wohl gefüllten Rauchfang." Schon bald nach der Jahrhundertwende zogen jene Besonderen ihre einsame Skispur durch die tief verschneiten Wälder, über die Höhen zwischen Brend und Rohrhardsberg. Mit einfachen Schneeschuhen mit Kappenbindung und Haselnußstöcken.

Ende der 50er Jahre kehrt nach langer Kriegsarmut bescheidener Wohlstand in die Schwarzwälder Stuben ein. Die Schüler einsamer Höfe müssen zur Winterszeit zwangsläufig ihre Ski für den Schulweg benutzen. Die Langlaufbewegung nimmt in den 60er Jahren ihren Anfang und die ersten Wohlstandskrankheiten der modernen Industriegesellschaft fordern mehr Bewegung. Wintersportverbände und Krankenkassen rufen zu mehr Sport in der frischen Luft auf. "Langläufer leben länger", so ein Slogan. Diesem Trend kann und will sich die Forstverwaltung nicht verschließen. Zusammen mit verschiedenen Trägern werden am Belchen, Notschrei, Thurner und der Martinskapelle Anfang der 70er Jahre Loipenzentren errichtet.

Für die Martinskapellenloipe spricht die zentrale Lage im Mittelschwarzwald, die Höhenlage von fast durchweg über 1100 Metern sowie die umliegenden aktiven Wintersportorte, die bereits traditionelle Wintersportveranstaltungen auszurichten. So waren in den 60er Jahren schon zweimal Deutsche Meisterschaften auf der Martinskapelle, 1967 legt die Skizunft Brend die erste Flutlichtstrecke in Deutschland auf der Martinskapelle an.

Am 2. Dezember 1973 ist es endlich soweit. Mit Böllerschüssen geht der erste Läufer auf die neu gebaute Skiloipe Martinskapelle. Angelegt nach skandinavischem Muster (Kamele) hat die Forstverwaltung eine 15 km lange Trimmstrecke und dazu noch zweimal 2,5 km Panoramastreckenteile, weitgehend auf vorhanden Trassen, Linien und Wegen errichtet. Ein natürliches Auf und Ab, locker und ermüdungsarm, soll die Strecke sein. Herrliche Ausblicke soll sie bieten und sowohl dem Spitzensportler als auch dem Hobbyläufer gerecht werden.

Knapp zwei Jahre später folgt der Bau der Skihütte Martinskapelle. Genau am 30. September 1975 spricht Forstarbeiter Otto Hübsch den Richtspruch, denn die Mitarbeiter des Forstamtes Furtwangen hatten in Eigenregie eine zweckmäßige Unterstands- und Wachshütte in Blockbauweise gebaut. Geöffnet ist sie täglich zur Winterszeit, beheizt und für jedermann zugänglich. Eine Hütte also, die von allen Langläufern überaus geschätzt wird.

40 Jahre Loipenzentrum Martinskapelle bedeuten aber auch gleichzeitig 40 Jahre Erholungseinrichtung der Landesforstverwaltung. Eine Erholungseinrichtung, die ihrem Namen alle Ehre macht. Sie bedeuten aber auch 40 Jahre enge Zusammenarbeit mit der Stadt Furtwangen, die die Schneeräumung der Zufahrtsstraße übernimmt und 40 Jahre Kooperation mit der Skizunft Brend, die die Loipenpflege übernommen hat.

Skiwanderer und Leistungssportler, klassische Technik und freie Technik sowie in jüngster Zeit auch Fußgänger; alle nutzen sie die Skiloipe Martinskapelle einvernehmlich auf einer Loipentrasse. Und dort, wo es mal nicht geht oder praktikabel ist, wird die Spur schwerpunktmäßig getrennt Wettkampfsport und Freizeitsport hautnah beieinander: durchaus gewollt und durchaus verträglich!

Eingebunden in das Modellprojekt Brend-Rohrhardsberg, das sowohl national wie auch international Anerkennung findet, sind die Loipen auf der Martinskapelle ein wesentlicher Bestandteil und gelten als Untersuchungsgebiet. Häufig lassen sich, wie der Initiator des Modellprojekts, Erwin Lauterwasser, in seinem Umweltreihe schreibt: "Naturschutz und Erholungsdruck nicht voneinander trennen". Im Modellprojekt aber hat man gangbare Wege gefunden, dies ist zur Nachahmung empfohlen!

Wintersport in intakter Natur muß die Devise heißen!
Siegfried Kaltenbach, Forstamt


Entstehung und Ausbau des Loipennetzes

Während die Skizunft für die Plege der Loipen von der Martinskapelle bis zur Kalten Herberge lediglich als Betreiber zuständig ist, befindet sich die beleuchtete Flutlichstrecke im Eigentum des Vereins. Gebaut wurde diese auf Initiative von Siegfried Weiß im Herbst des Jahres 1966, als erste beleuchtete Trainingsstrecke in der Bundesrepublik. Freilich wäre damals der Bau der ersten 1,1 Kilometer langen Strecke ohne die 1000 freiwilligen Arbeitsstunden von Vereinsmitgliedern nicht möglich gewesen. 

Die große Zahl der Nutzer - 1974 zählte man bereits 13.000 Besucher - zeigte, wie groß das Interesse am Langlauf und am Training nach Feierabend war. Das Forstamt reagierte mit dem Bau der Skihütte für Umkleide und Wachszwecke und die Skizunft erwarb schließlich im Winter 1973/74 mit dem Ratrac die erste eigene Pistenwalze. Damit präparierte man im Auftrag des Forstes eine 20 Kilometer lange Loipe. Diese Trimm-Dich- und Panormastrecke war nach skandinavischem Vorbild (Kamele) vom Forstamt im Gebiet der Martinskapelle angelegt worden.  Notwendig geworden war der Kauf des eigenen Pistengerätes aber auch, weil ein großer Teil des ersten Schwarzwälder Skimarathons über Furtwanger Gemarkung führte und von der Skizunft betreut werden musste. In den folgenden Jahren wurde das Loipennetz zwischen Rohrhardsberg und Kalter Herberge dann ständig erweitert und auf insgesamt 60 Kilometer ausgebaut. 

Doch die kleine Maschine war mittlerweile an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gestoßen: der Verein musste ein neues Pistengerät beschaffen. Mit Hilfe der finanziellen Unterstützung des Staatlichen Forstamtes, der Stadt Furtwangen, dem Schwarzwald-Baar-Kreis, der ARGE-SSM sowie dem Badischen Sportbund, konnte schließlich im April 1979 der Pisten-Bully der Fa. Kässbohrer bestellt werden.


Die Geburtsstunde der Brendspuren

Auf der Fahrt nach Ulm ins Kässbohrer-Werk hatte Peter Grether, der damalige Hauptamtsleiter der Stadt Furtwangen, die Idee mit den "Brendspuren". Und im Herbst 1978 wurde die Arbeitsgruppe "Brendspuren" gegründet. Unter der Federführung von Herbert Dold (EDS) hatte es sich die Gruppe zur Aufgabe gemacht, die Finanzierung und Präparierung des 60 Kilometer langen Loipennetzes zu gewährleisten. Und mit dem "Brendspurenzeichen" wurden zum ersten mal auch die "Nutzer" der Loipen um einen Obulus gebeten. Zur Verdeutlichung hier einige Zahlen:

Fahrer Hubert Dorer war mit dem neue Pistenbully im ersten Winter von 13.11.1979 bis 10. April 1980 insgesamt 503 Stunden unterwegs, um das damals 71,5 Kilometer lange Loipennetz einschließlich Winterwege zu pflegen. Zusätzlich war das Neukircher Spurgerät noch weitere 27 Stunden im Einsatz gewesen.
Einschränkungen durch den Natur- und Landschaftsschutz sowie der zunehmend enger werdende finanzielle Spielraum der Abteilung Brendspuren machten es im Laufe der Zeit erforderlich, dass nicht mehr im gewohnten Umgang gespurt werden konnte. Heute umfasst das Loipennetz noch runde 50 Kilometer und die Skiläufer müssen auch mal mit einer schlechteren Spur vorlieb nehmen. Und bei permanentem Schneefall kann es sogar vorkommen, dass gar nicht gespurt wird. Denn jeder Kilometer kostet den Verein jährlich rund 600 €, insgesamt also 30.000 € pro Jahr.
Mit finanziert werden die Spurkosten durch einen jährlichen Zuschuss der Stadt Furtwangen über den Tourismushaushalt in Höhe von 7.500 €,  einen Zuschuss der Staatsforstverwaltung in gleicher Höhe sowie einen kleineren Zuschuss durch die ARGE Fernskiwanderwege. Den Rest schultert der Verein über den Verkauf des Brendspurenzeichen. Die Läufer tragen durch ihre freiwillige Spende in Höhe von 15,00 € beim Erwerb des Brendspurenzeichens maßgeblich mit zum Erhalt der Einrichtung bei. Die Zeichen können bei den Gaststätten rund um die Martinskapelle, bei den Fremdenverkehrsämtern des Ferienlandes sowie durch Einzahlung von 15 € auf das Konto 26026006 bei der Sparkasse Schwarzwald-Baar (694 500 65) erworben werden. Bei Angabe der Adresse im Verwendungszweck auf der Überweisung, werden die Zeichen automatisch zugesandt.